Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg in Eching

Was für eine Ankündigung! Als Tiefenbacher Gemeinderat wurde ich zum gestrigen Neujahrsempfang der Nachbargemeinde Eching in die Grundschule in Kronwinkl eingeladen. Als Festredner wurde Bundesverteidigungsminister Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg angekündigt.

Das konnte ich mir natürlich keinesfalls entgehen lassen!

Draußen sinnfreies Rumgeballer der Schützen, tosender Applaus beim Eintritt des Ministers: Mit 15minütiger Verspätung begann Echings Bürgermeister Andreas Held mit den eröffnenden Grußworten. In diesen dankte er mehrmals dem Ehrenbürger Christoph Graf von Preysing  (Onkel des Ministers) dafür, dass er die bundespolitische Prominenz in die Gemeinde holte.

In der Tat waren viele Vertreter der Lokalpolitik anwesend: MdB Dr. Wolfgang Götzer, Landrat Josef Eppeneder, Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf, sowie zahlreiche Bürgermeister (u.a. Georg Strasser) und Gemeinderäte von Nachbargemeinden. Insgesamt waren es laut Bürgermeister Held ca. 550 Besucher an diesem sonntäglichen Nachmittag in der kleinen Kronwinkler Schule.

Sympathisch: Unsympath Götzer sprach gar nicht; Landrat Eppeneder beschränkte sich auf wenige Minuten Rede. Schön waren auch die musikalische Zwischenspiele Echinger Kinder und Jugendlicher.

Schließlich war Minister zu Guttenberg an der Reihe. Eine völlig freie und stellenweise äußerst humorvolle Rede wurde hier gehalten. Knapp 40 Minuten lang zog der Redner die Gäste in seinen Bann – tatsächlich kann man hier kaum eine andere Formulierung gebrauchen als “zog sie in seinen Bann”.

Zu Guttenberg kam v.a. auf das Thema Offenheit zu sprechen: Viele Politiker neigten dazu, der Öffentlichkeit weniger Wahrheit zuzutrauen, als sie tatsächlich vertrage. Dabei sei es jedoch wichtig, Dinge offen anzusprechen und auch Fehler zuzugeben.

Mit Blick auf die militärisch oder humanitär aktive Deutsche im Ausland sagte er, dass gerade diese Menschen nicht verstünden, was in der Bundesrepublik teilweise gesprochen würde. Wenn man schon aus völkerrechtlichen Bedenken die Situation in Afghanistan nicht als “Krieg” bezeichnen sollte, dann müsse es doch erlaubt sein von “kriegsähnlichen Zuständen” zu sprechen – denn nichts anderes hätte er bei seinen Besuchen vorgefunden.

Er beklagte außerdem, dass wir unsere Kultur teilweise vergäßen. Bundesbürger könnten viel leichter über fremde Kulturkreise sprechen als über ihren eigenen. In dem Zusammenhang bemängelte er außerdem, dass es außenpolitisch immer noch nicht möglich sei, über “deutsche Interessen” zu sprechen – obwohl wir diese als Wirtschaftsmacht doch hätten. Diese Begrifflichkeit sei vollkommen unnötig negativ belegt. Amerikaner, Chinesen und andere hätten mit ihrer Interessensvertretung im Ausland längst kein solches Problem.

Zu Guttenberg sprach auch darüber, dass es mit der Wirtschaftskrise noch nicht vorbei wäre. V.a. am Arbeitsmarkt werde sie sich noch bemerkbar machen, auch wenn “das intelligente Instrument der Kurzarbeit” diese Entwicklung abgefedert habe. Die Auswirkungen der Krise werde man jedoch auch noch in den nächsten Jahren spüren, auch dann “wenn an die große Krise schon gar keiner mehr denkt”. Dies beträfe nicht nur den Bund, sondern auch jede Kommune und jeden Bürger.

Minister zu Guttenberg war an diesem Nachmittag äußerst sympathisch – wirkte offen und ehrlich. Schön auch, wenn sich eine Figur der großen Bundespolitik nicht zu schade ist, auch einer kleinen Gemeinde einen Besuch abzustatten. Der Nachmittag “live and intimate” dürfte sich für jeden anwesenden Zuhörer sehr gelohnt haben.

Damit auch ihr, liebe Leser, die Magie dieser Rede verspüren könnt, habe ich noch etwas im Petto. Leider wird es bis morgen oder übermorgen dauern, bis ich es mit euch teilen kann – also seid gespannt.

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Eine Kommentar auf Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg in Eching

  1. Max F. sagt:

    gut lesbare Zusammenfassung! Ab zur Zeitung ;)